Knut, Scheiben, Kinder, Schnapp…

Knut ist ein putziger kleiner Kuscheleisbär gewesen. Ein kleines weißes Fellbündel das so weich und sowenig ernstzunehmen war, dass die ganze Welt ooooooooooooh-machend davor stand und nie in Erwägung zog, dass Babys nunmal auch groß werden.

Jetzt ist aber genau das passiert. Der kleine Eisbär ist mittlerweile ein nicht zu verachtender Brocken geworden und schwimmt und trottet im Zoo seine Runden. Der Kerl ist froh wenn er sein Futter bekommt und unbehelligt das tun kann, was man als gelangweiltes Zootier alles so veranstaltet.

Und jetzt kommt das Kind ins Spiel. Ein Dreijähriger hat es sich nicht nehmen lassen in seiner penetranten Nervigkeit permanent an die Sicherheitsscheibe zu klopfen. Als ich damals aufwuchs, also in den 80ern, wurde mir erklärt dass Raubtiere gefährlich sind. Kein Eiiii, kein Tatsch und erst recht kein Patsch. Und nun geht der Aufschrei durch die bildlesende Bevölkerung, Knut hätte 20 mal versucht gegen die Scheibe zu schnappen um das Kind zu packen.

Oh mein Gott. Was für ein schreckliches Raubtier. Wir sollten ihn kollektiv-hassen und kollektiv-einschläfern, dieses miese hinterhältige Biest…

Face it. Eisbären nehmen deinen Kopf ins Maul und kauen darauf herum. Weil sie es können. Das hat Knut als Baby nicht gemacht, eben weil er es nicht konnte. Offenbar wundert sich aber ein Teil der Gesellschaft darüber, dass die Bildzeitung dem Tier nicht das letzte Bisschen Instinkt ausgesaugt hat. Schließlich wurde Knut ja bis zur Unkenntlichkeit verniedlichifiziert. Und nun ist man tatsächlich erschrocken und pikiert darüber, dass sich ein Raubtier weigert, genervt zu werden.

Willkommen in der Realität. Der Zug zum Soleroland in dem das Eis aufn Bäumen wächst hat leider 10 Minuten Verspätung. Anschluss bekommen Sie aber an den Direktflug zur Polly Pocket Insel…

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