Charlotte Roche’s „Feuchtgebiete“

Zugegeben, manch einer würde sich sicher über eine Spezifikation der Feuchtgebiete von Charlotte Roche freuen.

Weiter zugegeben gehöre ich jetzt nicht zu diesem erlesenen Kreis bestehend aus 5 Personen die allesamt lieber Buchstaben ausmalen anstatt zu lesen.

Jetzt habe ich 2-3 Auszüge aus diesem Werk  zu Ohren bekommen und mir drängt sich da die ein oder andere Frage auf.

War es eigentlich in letzter Zeit ruhig um die Schreiberin dieses Buches?
Wie alt war die nochmal?
Wirklich SO alt?

In diesem Buch geht es grob umrissen um die 18jährige Protagonistin Helen, die, im Krankenhaus liegend und nach ihrem Pfleger schielend, ihre geschiedenen Eltern wieder vereinen möchte.
Mehr Details zur Story gibt es nicht. Weil: Die stehen ja auch nicht im Buch.

So dünn die Geschichte auch ist, so blumig wird der Intimbereich der Frau ge- und beschildert. Es findet sich eine kreative Vielzahl von Vaginalumschreibungen, Formulierungen und Benennungen von alltäglichen Körperfunktionen bis hin zu kleinen Möchtegernperversitäten.

Wollen wir also hoffen, dass dieses Buch möglichst wenig autobiographisch ist. Ansonsten kann ich der guten Frau nur empfehlen, mal einen Fernuni-Kurs im Kreativschreiben zu machen. Allerdings wird sie sich das kaum hinter die Ohren schreiben können, da hat sie ja bereits ihr Smegma verstaut. Ich fühl mich an die Zeiten erinnert in denen die lieben Kleinen im Klassenzimmer im Kreis gelaufen sind und „Peeenis!!!“ und „Vaaagina!!!“ gesungen haben.

*kopfschüttelnd*

3 Kommentare »

  1. Conny Beck Sagte:

    Ich würde vorschlagen das Buch erstmal zu lesen und dann zu kommentieren. Das Buch hat eine Geschichte. Sogar eine sehr tiefe. Aber die findet man halt nicht, wenn man nur auf der Suche nach Schlagwörtern und Geilheiten ist. Ein bisserl muss man sich auch die Mühe machen und hinter die Kulisse schauen. Sozusagen die Geschichte hinter der Geschichte sehen. Ich finde das Buch genial. Vordergründig provokativ, tabulos, eklig. Dahinter steckt ein Scheidungskind mit großem Offenbarungsdrang, dass seine Eltern wieder zusammenbringen möchte und da dahinter steckt eine verletzte Seele die laut schreit weil ihr wichtige Menschen schweigen.

  2. Und die tiefe Tragödie hinter diesem zerrissenen Scheidungskind, der Schmerz, möglicherweise auch Demütigung und Verletzung, Schilddrüsenfehlfunktion und permanente Unzufriedenheit sind nur dieser tragischen Protagonistin vorbehalten. Dieses arme Wesen, das sich in seinem inneren einfach nach Geborgenheit und Liebe sehnt…

    … benimmt sich wie eine Knallwurst. Ganz ehrlich. Die Marketingidee dahinter ist, die Lesernation zu spalten, in Ih-Sager und in betroffen taumelnde Befürworter.

    Ich sag mal n paar assoziative Sätze dazu.

    „Andere Scheidungskinder fühlen sich sicher genauso scheiße oder schlimmer und haben keine Affinität für zweifelhaft riechende Körpersekrete entwickelt.“

    „Mehr reininterpretiert als eigentlich dahinter ist. Ich kenn das als Autorin selbst. Man schreibt irgendwas und der geneigte Leser interpretiert irgendwas haarsträubendes da rein, im vollsten Brustton seine Überzeugung proklamierend das wäre so.“

    „Die Roche hat das erreicht, wovon man eigentlich träumen könnte als Autor: Gute Verkaufszahlen – dass sie sich damit fäkal ein bisschen entpeinlicht hat, who cares? Gibt schlimmeres im Dschungelcamp.“

    „Das Buch besteht aus Schlagwörtern und Geilheiten, die die Menschen neugierig machen und den Bildzeitungseffekt hervorrufen: Alle kennen es, keiner hat es gelesen weils zu niveaulos ist.“

    Jammer & Klag. Ne Scheidung ist bestimmt kein Ponyhofausflug, aber ich bin der Meinung dass eine Entwicklung zum eitervertilgenden Finger-in-die-Mumu-Teenie einfach ein bisschen dick aufgetragen ist.

  3. Birtschi Sagte:

    Unverblümt und ungeniert, wortgewandt und witzig, temporeich und bildlich bekommt der Leser hier eine Geschmacks- und Geruchslektüre, die ihresgleichen sucht, ohne dass bislang jemand danach gesucht hätte!


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