Kaum wähnte ich mich ob dieser Aussage in einer Woge kaum verebben wollender diebischer Freude, da fiel es mir quasi wie Schuppen von den Augen: Ich musste quasi darüber einen Artikel schreiben.
Nagut, meine Quelle für die obige Aussage ist die Bildzeitung, laut der ein Chef-Exorzist (Ausbildungsberuf?) ebendieses geäußert haben soll. Dem gingen ein paar größere Pädophilieunfälle voraus die wiederum bewirkten dass eine Menge Leute nun ihren jeweiligen Hut nehmen und einen Kirchenaustritt forcieren. Soweit so gut, das ganze ist jetzt nicht unbedingt neu, alleweile gibt es mal Skandälchen die dafür sorgen, dass die Grundfesten der größten Monotheisten erschüttert beben und zu bröckeln drohen – aber so wirklich passiert ja nie was.
Gut, denke ich mir, klickst du mal auf diesen Artikel. Wohlwissend dass das, was ich da gleich lesen würde, für sogenanntes facepalm sorgen würde. Und ich wurde ja nicht enttäuscht, das kann ich sagen. Naja, zugegeben es ist ein bisschen gehässig, auf den Aussagen staubiger Männer herumzukauen um dann gespielt-überrascht festzustellen “Was für ein (haltloser, danke Volker) Schwachsinn!”. Aber es ist Donnerstag Nachmittag. Und ich hatte grade nichts zu tun… ach Unsinn. Als bräuchte ich irgendeine Rechtfertigung für Gehässigkeit.
Der 85jährige Peter Gabriel Amorth, der geschätzte 70 000 Exoszismen vollzogen haben soll, sagte laut Bild.de
„Es gibt Kardinäle, die nicht an Gott glauben, Bischöfe, die mit dem Teufel im Bund sind. Die Kinderschändungen durch Geistliche sind ebenfalls Werke des Teufels.“
Ich habe da ja meine eigenen Theorien über den Sinn und Unsinn einer Teufelsfigur. Zusammengefasst, für die, die meinen Ausführungen diesbezüglich noch nicht lauschen konnten:
- Der Teufel ist eine Figur, auf die man (vor allem die eigene) Schuld übertragen kann. Dem eigenen Trieb nachgegeben? Masturbiert und nun Angst vor Haare in den Handflächen? Ruf 666! Naja, das Prinzip ist klar.
- Zusätzlich dazu konnte man, indem man diverse heidnische Figuren (Faune, Pan, etc) dämonisierte, ein paar weitere Schäfchen einfangen, seinerzeit. Praktisch!
- Die Abgabe der eigenen Verantwortung für moralisch zweifelhafte Taten ist demnach nicht nur eine willkommene Rechtfertigung vor sich selbst sondern auch vor anderen. Politisch mit Sicherheit auch ein brauchbares Stilmittel. Schließlich hat der Teufel ja auch bereits versucht, Jesus zu bequatschen. Und der war ja bekanntermaßen Gottes Sohn.
Wenn also mir ein Chef-Exorzist erzählt, die Herren Pastoren die da unsägliche Dinge getan haben wären vom Teufel beeinflusst worden, hat das ja direkt mehrere Dinge zur Folge: Nichtnur, dass sich die entsprechenden Herrschaften, wenn sie das mit dem Teufel tatsächlich glauben (haha) nichtmehr mit ihrem Gewissen auseinandersetzen müssten (War ich ja nicht, sondern der!) und entsprechend auch nicht in ihren Ämtern versagt hätten (also bitte, wer außer Jesus selbst ist denn dazu geeignet, dem Leibhaftigen zu widerstehen? Eben.). Dazu kommt, dass auch die Schuldfrage nichtmehr an die Kirche gestellt werden könnte. Prüft Ihr eure Mitglieder eigentlich nicht, bevor ihr sie auf Kinder loslasst? – hätte da seine Berechtigung als Frage verloren.
Demgegenüber stelle ich mal mein heidnisches Patchwork-Weltbild einer weitgereisten Ente. In meiner Welt sind wir alle für unsere Taten verantwortlich. Wir können unsere Schuld eventuell durch Begleitumstände mindern, aber so generell hat jeder die Wahl, ob er nun irgendwas nachgibt oder eben nicht. Bezogen natürlich auf den anatomisch völlig gesunden Menschen. Leute, die sich für Schwingschleifer halten haben selten irgendeine sinnvolle Wahl. Bei mir gibt es entsprechend keine Personifizierung einer in irgendwessen moralischen Grenzen als böse geltenden Macht. Nach meiner Ansicht würde es sich also bei diesen fehlgetretenen Kirchenmännern um arme Irre handeln, die ihre eigene Medizin verdient hätten. Ungefiltert. Aber bevor ich da abschweife, man sieht, dass sich generell das Annehmen einer Eigenverantwortung da etwas unfair verteilt. Während ich sage, dass man als Mensch die Wahl hat so oder so zu handeln lässt einem das Christentum in dieser Auslegung keine Wahl. (Man beachte dass ich das ganze einschränke, ich habe durchaus sinnvolle Auslegungsweisen von Christentum gesehen in meiner Karriere.) Du kannst höchstens aufpassen, dass der Satan dich nicht verführt und dagegen an beten. Aber vielleicht hast du einfach Pech. Patsch. Und schon hast du jemanden umgebracht und wolltest das garnicht.
Selbstverantwortung.
Wäre eigentlich noch zu erwähnen, dass wenn jemand ständig Dämonen austreibt das ganze für ihn irgendeine Folge haben muss. Möglichkeit eins er glaubt tatsächlich daran und interagiert irgendwann wirklich mit Dämonen. Leute, die dafür kein Monatsgehalt beziehen müssen dagegen Tabletten nehmen. Möglichkeit zwei, er glaubt nicht daran aber interagiert ständig mit Leuten, die daran glauben, besessen zu sein. Dann dürfte das ein tierisch verbitterter Typ sein.
Jetzt habe ich mal ein bisschen Wikipedia bemüht um dort ein paar Sachen über den Herrn Amorth zu lesen, und dort wird (weil Wikipedia ja immer 100% verlässlich ist greife ich das auf) beschrieben, der Mann halte einen Mann namens Sai Baba für den erstgeborenen Sohn Satans. Okay. Einatmen. Ausatmen. In Ordnung, ich kenne diesen indischen Guru namens Sai Baba nicht. Ok nicht kennen ist gelogen, erstens habe ich mal von ihm gehört und zweitens habe ich eben dessen Wiki-Artikel aufgerufen um mir anzusehen, ob das denn so stimmt. Ich zitiere diesen Sohn Satans einmal. Nein, zweimal:
„Liebe alle. Diene allen. Hilf immer, verletze nimmer.“
– Sathya Sai Baba
„Es gibt nur eine Religion, die Religion der Liebe. Es gibt nur eine Kaste, die Kaste der Menschlichkeit. Es gibt nur eine Sprache, die Sprache des Herzens. Es gibt nur einen Gott; Er ist allgegenwärtig.“
– Sathya Sai Baba
Absolut hinterhältig der Kerl. Etwas tiefer gegraben soll Sai Baba im Zuge von spirituellen Reinigungsritualen vornehmlich die Geschlechtsteile männlicher Anhänger berührt haben. Hier wird dann übrigens auch klar, welche Brücke der gute Herr Amorth da zu schlagen versucht.
Ziehen wir aber mal eine Sache in Betracht:
Wenn man sich schon mit heidnisch-nacktem Pack beschäftigt muss man eventuell sogar davon ausgehen, dass die sich sogar freiwillig da berühren wo die Sonne nicht scheint und sich diverse Mönche in Vergangenheit nichtmal zum Pinkeln, geschweige denn zum Waschen (ok…waschen…vergesst den Einschub…) hingefasst haben. Nicht alle Leute sind da so. Ich sage da z.B. “Großer Ritus” und schaue verschmitzt in die Wicca-Ecke. Je nach dem mit wem man sich da so unterhält haben die da garkein Problem mit irgendwie gearteter Sexualmagie. Nein nein, nicht sofort weglaufen. Nur weil die Magie betreiben heißt das nicht, dass ich… brav hinsetzen. Möglich auch, dass eventuell 4-5 Leute mit dieser Praktik nicht so ganz konform gingen als Sai Baba damit Anfing und zack, schon hat man Presserummel, Polizei und eben die Leute von der Konkurrenz am Hacken, die mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf einen deuten. Ob Sai Baba sich nun tatsächlich in eine Frau verwandeln kann weil Shiva und Shakti in ihm gleichzeitig vereint sind oder ob er sich bloß super schminken kann, ob in dem was er sagt Weisheit liegt – keine Ahnung, halte ich aber für wahrscheinlicher als bei Herrn Amorth, dessen Religion darauf beruht, einen geschändeten Leichnahm anzubeten. Man muss schon ziemlich quer denken um daraus eher Hoffnung zu schöpfen als aus allen anderen spirituellen Vorstellungen (außer Scientology und ähnlichen Züchtungen).
Der Teufel wohnt nicht nur im Vatikan, er hat dort einen Themenpark errichtet. Ganz nah bei seinen Vätern.
Mein Dank gebührt jedenfalls dem Chefexorzisten, der mich meine vor mittlerweile 11 Jahren getroffene Entscheidung unter keinen Umständen bereuen lässt.