TXF - Inhumanum

Nur ein Auszug… eigentlich auch schon steinalt, deshalb ein entsprechender Stil. Ein Crossover aus X-Files und meiner eigenen 773H-Story.

Inhumanum

 

Er hastete einen sterilen Gang entlang, so schnell, dass sein weißer Kittel hinter ihm flatterte. Die Kameras waren nur für wenige Minuten außer Betrieb, hoffentlich lange genug, um die Hauptsicherung auszuschalten. Das würde die Kameras endgültig außer Kraft setzen, die auf Kühlung angewiesenen Gewebeproben würden unbrauchbar und Mulder, Scully und Bowden konnten ungehindert in das Gebäude eindringen. Der Sicherungsraum, in dem gleichzeitig die Schlüssel für die Schließanlage aufbewahrt wurden, lag nur noch wenige Schritte entfernt hinter einer Ecke am Ende des Ganges. Holbrook griff in seiner Kitteltasche nach dem Schlüssel. Es waren nur noch ein paar Sekunden übrig und als er endlich vor der Tür stand atmete er kurz auf. Nervös steckte er den Schlüssel ins Schloss.

„Hey!“ hörte er von weitem.

Jemand hatte seine Anwesenheit bemerkt. Verdammt, dachte er, nicht jetzt! Als er seinen Blick nach links richtete sah er direkt in den Lauf einer Pistole.

„Keine Bewegung!“ blaffte ihr Besitzer. „Hände hinter den Kopf!“

Holbrook tat, wie ihm geheißen. Das durfte nicht das Ende sein. Der Wachmann Griff nach seinem Funkgerät. Meine Chance, dachte Holbrook und trat ihm die Waffe aus der Hand. Zumindest versuchte er es und es blieb auch nur bei dem Versuch, denn der Wachmann fing sich wieder. Er taumelte zwar, hatte aber genug Gleichgewicht um einen Schuss abzugeben. Irgendetwas heißes biss Holbrook in die rechte Hüfte. Instinktiv fasste er an die Schmerzende Stelle und spürte Feuchtigkeit: Blut. Jetzt taumelte er selbst zurück, mehr vor Schock als vor Schmerz. Der Wachmann setzte zu einem weiteren Schuss an, der sein Ziel jedoch verfehlte, das heißt, nicht ganz, denn etwas riss Holbrook nun endgültig von den Beinen. Er blieb wie betäubt auf dem grob gefliesten Boden liegen. Etwas dumpfes pulsierte in seinem Kopf und schließlich auch in seiner Brust. Wie durch einen Zeitlupenschleier sah er den Wachmann in sich zusammensacken, hinter ihm kamen Bowden und Chris zum Vorschein.

„Ruf Scully, wir haben zwei Treffer, einer davon kritisch.“

Bowden kniete sich neben Holbrook und drehte ihn auf den Rücken.

„Wir müssen hier raus. Die Sicherungen…“

Sie fühlte nach seinem Puls. Er war schwach und wurde unregelmäßig.

„Pass auf ihn auf.“

Sie richtete sich auf, schloss die Tür zum Sicherungsraum auf und verschwand darin. Chris stand etwas verloren da. Er sah auf Holbrook hinab, dessen Kittel sich an zwei Stellen bereits tief rot gefärbt hatte. Es waren zwar nur wenige Sekunden, bis Bowden ihr Werk vollendet hatte, für Chris war es eine halbe Ewigkeit. Er konnte Holbrook nicht helfen. Dieser kam langsam wieder zur Besinnung und atmete scharf ein, mit schmerzverzerrtem Gesicht. Chris kniete sich neben seinen Kopf mit einem unendlich mulmigen Gefühl in der Magengegend.

„Bleiben Sie ruhig. Sobald die Sicherungen raus sind bringen wir Sie hier raus.“

Holbrook drehte seinen Kopf in die Richtung aus der die Stimme des 20jährigen kam.

„Die wissen wo wir… wo wir sind“, brachte Holbrook mühsam hervor.

Die Schüsse mussten gehört worden sein. Dunkelheit. Bowden hatte es geschafft, Chris griff sein Funkgerät.

„Scully, Holbrook wurde angeschossen, die Sicherungen sind draußen.“

Es rauschte.

„Ich bin auf dem Weg. Wie schlimm?“

Bevor Chris antwortete richtete er seinen Blick noch einmal kurz auf die blutigen Stellen.

„Beeilen Sie sich,“ sagte er mit gedämpfter Stimme.

Holbrook war wieder bei Bewusstsein. Bowden erschien hinter Chris, er konnte sie nur schlecht durch den Tränenschleier erkennen, der ihm in die Augen geschossen war. Kaum hatte sich die Sicherheitstür hinter ihr geschlossen erbebte sein Körper unter einem Hustenanfall, in dessen Folge sich Blut auf seinen Lippen zeigte.

„Seine Lunge…“ schnappte Chris, packte Holbrook und zog ihn nach oben, um mit Bowdens Hilfe los zu laufen. Sie nahmen Holbrook in die Mitte und schliffen ihn schier mit sich. Er versuchte zwar, einen Rhythmus u finden doch seine beiden Partner waren zu schnell. Chris spürte jede Faser seiner Muskeln. Holbrook war einfach zu schwer, als dass man mit ihm einfach so sprinten konnte. Bowden konzentrierte sich angestrengt auf ihren Atem. Die Gänge flogen nur so an ihnen vorbei und plötzlich tauchte eine Gestalt auf, schmal in der Statur, weiblich, Scully! Gottseidank, dachte Chris und atmete erleichtert aus. Doch bevor sie Scully erreichten verkrampfte sich Holbrooks gesamter Körper und danach wich jegliche Spannung aus ihm. Es war als würde er plötzlich schwerer. Bowden sah sich um und entdeckte eine lange glitzernde Spur hinter sich.

„Scheiße!“

Sie blieb ruckartig stehen, was zum Glück noch rechtzeitig von Chris bemerkt worden war.

„Was ist los?“ fragten er und Scully beinahe gleichzeitig.

Chris und Bowden ließen Holbrook langsam zu Boden sinken. Ein feines Netz aus Schweißperlen bedeckte dessen Stirn.

„Er atmet nicht!“

Bowden tastete nach dem Puls.

„Wie lange schon?“ fragte Scully.

„Scheiße, verdammt! Weiß ich nicht!“ platzte Bowden heraus.

Sie hatte ihren Partner noch nie so gesehen. Für einen Moment schoss ihr das Schlimmste durch den Kopf. Scully knete sich hin und versuchte, Holbrook wieder zu beleben.

„Er kommt wieder…“

Scullys Züge entspannten sich.

„Ich löse Sie ab,“ meinte sie und bedeutete Chris, dass er weitergehen sollte.

„Wo ist Mulder?“ fragte er, als er Holbrook wieder vom Boden aufgehoben hatte.

„Er sucht nach Judith.“

Wie auf ein Stichwort flog die Glastür am Ende des Ganges auf und Mulder stand mit Judith im Türrahmen. Sie war komplett in weiß gekleidet und hatte ihr schwarzes Haar zurück gebunden.

„Alex!“ schnappte sie, als ihr Blick auf Holbrook fiel.

Für den Bruchteil einer Sekunde wirkte es, als reagierte er mit dem Heben seines Blickes.

„Beeilung, sie sind auf dem Weg.“

Mulders Stimme zitterte etwas. Er war erschöpft. Doch die Gewissheit, dass sie nur noch aus dem Gebäude herauskommen mussten, damit endlich alles vorbei war, gab ihm neue Kraft. Als sie das Erdgeschoss endlich erreichten hörte Chris plötzlich fremde Schritte. Wachmänner, ein ganzer Trupp von fünf. In ihren schwarzen Kampfanzügen waren sie in dem spärlichen Licht nur schwer zu erkennen, doch sie hatten Waffen und sie würden sie großzügig einsetzen. Judith streckte ihre Hand zu Mulder aus, der ihr etwas reichte. Sie ließ sich zurückfallen als sie den Eingangsbereich erreichten.
„Lauft!“ schrie sie als Scully sich zu ihr umdrehte.

Mulder übernahm ihren Platz und entlastete Chris. Sie hatten es endlich geschafft. Vor ihnen lag zwar der schier endlose brasilianische Regenwald, aber sie waren aus der größten Gefahr entkommen. Judith zählte bis zehn. Die Wachen waren nähergekommen und sie hörte, wie jemand „Nicht schießen!“ bellte.

„Hey! Fangt!“ rief sie, zog den Ring und warf die Granate.

Es schepperte, sie zählte weiter als sie losrannte.

„Einundzwanzig… zweiundzwanzig…“

Die Explosion zerriss die Luft. Mulder, Scully, Chris, Bowden und Holbrook waren außer Reichweite, als Mulder sich umdrehte.

„Wo ist sie?“

Er konnte Judith nicht entdecken.

„Wo zum Teufel ist sie?“ rief er, die Angst in seiner Stimme bebte.

Scully packte ihn beim Arm.

„Kommen Sie!“ schrie sie ihn an.

Mehrere Explosionen folgten. Staub ließ den Laborkomplex völlig verschwinden. Mulder ließ Holbrook los und entriss sich Scullys Griff.

„Wenn sie noch da drin ist…“ begann er und ging einige Schritte zurück, in die Richtung aus der sie gerade kamen.

„Dann können Sie nichts mehr tun!“

Mulder erstarrte, jede Bewegung erstarb in diesem Moment. Nur seine Augen weiteten sich.

„Nein!“

Als er die Gewalt über seinen Körper wiedererlangt hatte sah er sich kurz zu den anderen um und sprintete los.

„Mulder! Nicht!“

Bowden schlug die Hand vor den Mund. Die Explosion hatte eine Kettenreaktion mit weiteren Detonationen zur Folge. Das Gebäude war instabil. Glasscherben knirschten unter Mulders Schuhen, der wild entschlossen war, Judith zu finden. Immer wieder rief er ihren Namen, erhielt jedoch keine Antwort. Er trat gegen die gläserne Eingangstür, die daraufhin auf flog und einen Schwall Rauch nach draußen entweichen ließ. Feuer. Überall. Er hasste Feuer. Wieder rief er ihren Namen, wieder erhielt er keine Antwort. Kurz bevor er realisierte, dass er selbst in Gefahr war, erkannte er einen schemenhaften Körper auf dem Boden liegend. Die schlanke Gestalt ließ nur einen Schluss zu: Es war Judith, die bewusstlos in den Trümmern lag. Er hob sie auf und tastete sich vorsichtig in Richtung Tür zurück. Judith hustete. Der Rauch brannte in ihren Lungen. Nur Gott wusste, welches Gift sie dort einatmeten. Draußen legte er sie auf den Boden, wo sie nach wenigen Sekunden zu sich kam. Er ließ sich neben sie auf die Knie fallen und atmete tief durch. Als sie sich aufrichtete und ihm die Hand auf den Rücken legte, zuckte er kaum merklich zusammen.

„Was ist mit Holbrook?“ fragte sie, ihren Husten unterdrückend.

Mulder stand auf, reichte ihr die Hand und half ihr mit einem kräftigen Zug, aufzustehen.

„Er ist bei Scully in guten Händen,“ versicherte er.

Auf wackeligen Beinen ging Judith voran, Mulder dicht hinter ihr. Von weitem war zu erkennen, dass Holbrook aufrecht dasaß, sich mit den Händen nach hinten abstützend, um besser atmen zu können. Die Kugel hatte seine Lunge verletzt. Jeder Atemzug schmerzte ihn wie ein heißer Messerstich. Judith kniete sich neben ihm und strich ihm die Haarsträhnen aus der Stirn.

„Tut es sehr weh?“

Die Frage diente mehr dazu um festzustellen, wie wach er wirklich war.

„Es geht… nur wenn ich atme,“ antwortete er, fast ohne seine Stimme zu benutzen.

Sein Blick glitt ins Leere. Erst jetzt bemerkte Judith seine Wunde an der Leiste. Sanft drückte sie seinen Oberkörper zurück um ihm zu bedeuten, sich hinzulegen. Seine Muskeln zitterten vor Anstrengung.

„Wohin gehen wir?“ fragte Chris.

„Ailas Dorf dürfte einen Tag entfernt sein.“

Judiths Antwort stimmte die Gruppe nicht gerade beruhigter. Sie würden Holbrook eine Menge zumuten müssen.

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